Mit Ihrer Hilfe kommt auch Ihr Kind mit Legasthenie (LRS) zum Schulerfolg

Erfolg in der Schule trotz Legasthenie

Ursachen für Legasthenie (LRS)

Wie bei fast allen Lernproblemen gilt auch für die Legasthenie: Es kann fast nie eine Ursache allein für die Entstehung der Problematik verantwortlich gemacht werden. Die Ursachen sind vielfältig und müssen individuell ermittelt werden. Mehrere Ursachen können die Entstehung von Legasthenie begünstigen, in den meisten Fällen wirken verschiedene Faktoren zusammen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen sozialen Faktoren und konstitutionellen Ursachen. Aktuell bewegt sich die Diskussion um folgende Auslöser:

Genetische Komponente

Genetische UrsacheDa Legasthenie in manchen Familien gehäuft auf tritt und bei eineiigen Zwillingen in 68% der Fälle beide Geschwister Legastheniker sind, ist der genetische Einfluss gewissermaßen bewiesen. Die Vermutungen richten sich auf eine polygenetische Ursache mit Bezug zu den Chromosomen 3, 6, 18 und vor allem 15. 

2006 hat ein Forscherteam auf dem 6. Chromosom das Gen DCDC2 identifiziert (GeneID 51473), welches mit Legasthenie in Zusammenhang steht. Man glaubt, dieses Gen spiele bei der Entwicklung des Gehirns, speziell bei der Migration der Nervenzellen im fetalen Gehirn, eine Rolle. Die Wissenschaft diskutiert auch noch andere Gene als Verursacher von Legasthenie.


Neurologie - Wahrnehmungsstörungen

NeurologieBei Legasthenikern konnten beim Lesevorgang Abweichungen der Aktivierungsmuster in der Großhirnrinde gefunden werden. Betroffen sind primär die Zentren zur Sprachverarbeitung im Schläfen- und Stirnlappen in der linken Gehirnhälfte.

Beobachtungen zeigen auch, dass die ausschlaggebenden Hirnzentren nicht ausreichend synchron arbeiten oder zu wenig stark vernetzt sind. Zudem deuten Probleme bei schnellen Folgen von Stimuli auf eine weniger effiziente Weiterleitung in der Seh- und Hörbahn hin.

Mängel in der auditiven und/oder visuellen Wahrnehmung sowie Probleme der Blicksteuerung können zu einer Legasthenie beisteuern. Viele Kinder mit Legasthenie haben Schwierigkeiten, ihren Blick bewusst zu steuern, wie es beim Lesen notwendig ist.

Sprachentwicklungsverzögerung

Verzögerung in der SprachentwicklungIm Alter von 1½ bis zwei Jahren durchbrechen die meisten Kinder die 50-Wort-Grenze und beginnen Sätze mit zwei Wörtern zu bilden. Bis zu einem Fünftel aller Kinder kennen allerdings auch mit zwei Jahren noch nicht mehr als 50 Wörter. 

Die Hälfte dieser Spätsprecher holt den Rückstand in der Entwicklung bis zum dritten oder vierten Lebensjahr wieder auf. Die andere Hälfte ist von einer Sprachentwicklungsstörung betroffen, wobei bei 50% der Kinder mit  einer Sprachentwicklungsstörung in Folge Legasthenie auftritt. (25% der Spätsprecher).

Wenig Fernsehen - mehr Erfolg in der Schule!

weniger Fernsehen!
Kinder, die mehr als zwei Stunden täglich fernsehen schneiden hinsichtlich ihrer Lese- und Rechtschreibkenntnisse deutlich schlechter ab als Kinder mit einem moderaten Fernsehkonsum (eine Stunde oder weniger pro Tag).

Die Differenz zwischen Viel- und Wenig-Sehern verstärkt sich im Laufe der Schulzeit.

Soziale Faktoren

Lese- Rechtschreibschwäche kann aber auch infolge eines ADS / ADHS auftreten, denn das geringe Konzentrationsvermögen schafft zusätzliche Lücken und Schwächen im schulischen Bereich.

Wenn sich die Schwierigkeiten auch auf andere Fächer (z.B. Mathematik) ausdehnen, spricht man allerdings nicht mehr von einer Teilleistungsschwäche.


Mehr zur Neurobiologie / Neuropsychologie

Auf der neurobiologischen Ebene äußern sich bei einer Legasthenie Beeinträchtigungen der akustischen und visuellen Wahrnehmung.

Akustische Wahrnehmung: Basale Wahrnehmungsstörungen sind dafür verantwortlich, dass legasthene Menschen beispielweise schnell aufeinander folgende Töne oder Tonhöhen oft nicht korrekt unterscheiden können, sodass es ihnen verwehrt bleibt, eine normale phonologische Bewusstheit (siehe unter neuropsychologische Ursachen) ausbilden zu können. Auch durch bildgebende Verfahren sichtbar gemachte Hirnregionen eines Legasthenikers zeigen eine deutliche Unteraktivierung der Bereiche der akustischen Wahrnehmung im Vergleich zu einem Nicht-Legastheniker.

Visuelle Wahrnehmung: Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass Legastheniker Probleme mit der Bewegung ihrer Augen haben (Okulomotorik). Dies wurde mittlerweile widerlegt (Schulte-Körne 2002, S. 22-23) und erwiesen, dass lediglich die nervliche Steuerung der Augenbewegung (also nicht konkret der Muskulatur) anscheinend Auslöser dafür ist. Es wurde in diesem Zusammenhang festgestellt, dass leseschwache Kinder Sprache in kleineren Einheiten aufnehmen müssen, somit beim Lesen deutlich länger brauchen und ihnen dann meist bereits am Ende eines Satzes der Inhalt des Satzanfangs nicht mehr bewusst ist. Die mit der visuellen Wahrnehmung verbundene Raumwahrnehmung ist bei Legasthenikern ebenfalls defizitär und äußert sich z.B. beim Lesen durch ein Überspringen von Zeilen oder Wörtern. Auch hier im visuellen Bereich wurde eine Minderaktivierung bestimmter Hirnareale festgestellt.

Aus den neurobiologischen Beeinträchtigungen im visuellen und akustischen Bereich ergeben sich neuropsychologisch weitere Schwierigkeiten:

Phonologische Bewusstheit: Hierunter versteht man das Erkennen und (sinnvolle) Verknüpfen der kleinsten, sprachlichen Einheiten, sogenannte Phoneme. Legastheniker haben beim Lesen und Schreiben Schwierigkeiten mit dem Durchführen dieser "lautanalytischen Aufgaben" (Schulte-Körne 2002, S. 20).
Benenngeschwindigkeit: Unter Benenngeschwindigkeit versteht man den Abruf von sprachlicher Information aus dem Langzeitgedächtnis - eine Fähigkeit, die bei Legasthenikern ebenfalls oft sehr schwach ausgeprägt ist. Gemeinsam mit einer Beeinträchtigung der phonologischen Bewusstheit ergibt sich so ein in sich verstärkender, doppelter Defizit ("Double Deficit"-Hypothese, Bowers & Wolf 2000).
Phonologisches Rekodieren: ... ist der Prozess, der hauptsächlich beim Lesen für das Verständnis der Wörter bzw. einzelner Laute (der "Code") verantwortlich ist. Beim Rekodieren wird dieser Code dann neu gespeichert bzw. mit der phonologischen Bewusstheit abgeglichen und liefert somit beim Leseprozess ein Ergebnis. Auch hier zeigen Legastheniker häufig Schwierigkeiten.

Aufmerksamkeit & Konzentration: Legastheniker zeigen - insbesondere bei Konfrontation mit Schriftsprache - eine verminderte Aufmerksamkeit und Aufnahmefähigkeit. Auch deshalb lässt sich bei Legasthenikern häufig die Aufmerksamkeitsdefizit-Störung feststellen.

Intelligenz: Per Definition zeigen Legastheniker Lese-/Rechtschreibschwächen bei mindestens durchschnittlicher Intelligenz. Dies ist also kein eindeutiges Kriterium für einen Legastheniker, wie früher vermutet wurde (Deimel 2002). Viele Legastheniker sind sogar Berühmtheiten, Nobelpreisträger o.ä. und zeigen durchaus überdurchschnittliche, kognitive Leistungen.


Weiterführende Informationen zur Legasthenie gibt's auch bei mamiweb.de.

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