Erfolg in der Schule trotz Legasthenie

Typisch für Legasthenie (LRS)

Zu Beginn des Erlernens der Schriftsprache treten häufig Probleme beim Aufsagen des Alphabets, bei der Benennung von Buchstaben oder beim Bilden von Reimen auf. In weiterer Folge kann sich Legasthenie unter anderem so bemerkbar machen:

  • langsame Geschwindigkeit beim Lesen
  • Auslassen, Hinzufügen oder Verdrehen von Wortteilen bzw. ganzen Wörtern
  • Ersetzung von Buchstaben, Silben und Wörtern
  • Probleme beim Vorlesen: langes Zögern oder Verlust der Zeile im Text
  • Probleme bei Doppellauten
  • Änderung der Reihenfolge von Wörtern im Satz
  • Vertauschen von Buchstaben in den Wörtern
  • Schwierigkeiten gelesenen Text wiederzugeben, daraus Schlüsse zu ziehen oder Zusammenhänge zu erkennen
  • Bei der Beantwortung von Fragen wird das verfügbare Wissen anstelle der eben gelesenen Textinformationen verwendet.

Oben genannte Lese- und Rechtschreibschwächen sind allerdings nur ein Indiz für Legasthenie, denn alle Kinder, die Lesen und Schreiben erlernen, machen anfänglich die gleichen Fehler (in unterschiedlich starkem Maße). Der Großteil der Schüler macht jedoch rasch Fortschritte und diese Schwierigkeiten gehen weitgehend verloren. Bei legasthenen Kindern sind die Schwächen deutlich stärker und bleiben über einen längeren Zeitraum aufrecht. Besonders auffällig ist die enorme Wechselhaftigkeit der Fehler. Es ist nicht möglich, aussagekräftige Fehlerprofile zu erstellen noch eine Systematik der Fehler zu erkennen. Ein und dasselbe Wort wird kontinuierlich unterschiedlich falsch geschrieben.

Erscheinungsformen von LRS

Begriffsdefinition

Unterschiedlichste Definitionsversuche führten in der Vergangenheit oft zu Verwirrung. Aus diesem Grund vollzog sich ein Begriffswandel von Legasthenie hin zu Lese- Rechtschreibschwäche (LRS). In den 70er und 80er Jahren wurde ein Versagen in der Schule häufig auf eine Legasthenie zurückgeführt, obwohl es dafür in den meisten Fällen gar keine nachvollziehbare Ursache gab.

Ein kurzer Streifzug durch die Geschichte

Im Jahr 1895 entdeckte der Augenarzt Hinshelwood Fälle der sogenannten kongenitalen Wortblindheit (angeborene Leseschwäche). Untersuchte Kinder waren nicht im Stande, Wörder oder Buchstaben zu lesen. Damals nahm man an, dass die „kongenitale Wortblindheit“ von angeborenen oder vererbten Gehirndefekten verursacht wird.

1916 wurde der Begriff Leseschwäche (Legasthenie) vom Pädagogen Ranschburg geprägt. Dabei wurde Legasthenie mit Leseschwäche gleichgesetzt. Ranschburg war es, der auf eine Rückständigkeit in der geistigen Entwicklung der Kinder hinwies. Infolge dessen wurden Kinder bis nach dem zweiten Weltkrieg an Hilfsschulen zugeteilt. Aber In den USA wurde bereits das erste Mal laut über eine genetische Disposition nachgedacht.

Eine Widerlegung von Ranschburgs Definition startete Maria Lindner im Jahr 1951. Im Gegensatz zu Ranschburg untersuchte sie die Intelligenz der leseschwachen Kinder. Dank Lindner wurde die Legasthenie als Teilleistungsschwäche neu definiert. Sie erkannte, dass Lese- Rechtschreibschwäche auch bei hoher Intelligenz auftreten kann.

Lindners Arbeit ist Basis vieler Versuche geworden, die Hinweise auf die Ursachen einer Legasthenie geben sollen. Auch im schulischen Bereich hielt die Definition Lindners überall Einzug.

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